Die Geschichte hinter MCM – und die Geschichte eines Buches
Gerda Melchior kannte Michael Cromer bereits rund zehn Jahre, bevor die Arbeit an seiner Lebensgeschichte begann. Sie hatte die Generalvertretung seiner Taschenlinie für Österreich und war mit ihm auf Messen unterwegs. Dort erlebte sie aus nächster Nähe, welche Wirkung Michael auf Menschen hatte.
Michael, seine Frau Mara und Gerda verstanden sich von Anfang an blendend. Als Michael irgendwann erfuhr, dass Gerda auch schrieb, sagte er zu ihr: „Irgendwann musst du das Drehbuch zu meinem Film schreiben.“
„Okay – aber wann soll das sein?“
„Das sage ich dir schon. Ich komm auf dich zu.“
Jahre später waren Gerda und Volker längst als Autoren tätig, als Michael und Mara anriefen. Michael wollte nun, dass Gerda sich seiner Geschichte annahm, und lud die beiden in sein Haus nahe München ein.
Ausgerechnet zu diesem Termin wollte auch ihr Verleger sie treffen. Als er hörte, warum sie verhindert waren, war seine Antwort ebenso spontan wie folgenreich: Michael Cromer brauche zunächst kein Drehbuch, sondern ein Buch. Er kam zu dem Treffen mit.
Michael war begeistert. Innerhalb von nur zwei Stunden waren die entscheidenden Fragen geklärt: Gerda Melchior und Volker Schütz würden seine Geschichte schreiben – und der riva Verlag würde sie veröffentlichen.
Dann begann eine monatelange Recherche. Fast zwei Meter Ordner mussten gesichtet, Zusammenhänge geprüft und die Geschichte eines außergewöhnlichen Aufstiegs ebenso sorgfältig rekonstruiert werden wie der Verlust des Lebenswerks.
Volkers juristische Erfahrung war dabei von besonderem Wert. Gemeinsam mit Gerda konnte er Dokumente einordnen, Sachverhalte verifizieren und entscheiden, was für die Erzählung wesentlich war. Der intensive Austausch mit Michael und Mara begleitete die gesamte Arbeit.
Michael schrieb im Vorwort, er habe in seinen beiden Autoren „das perfekte Team“ für die Umsetzung seiner Lebensgeschichte gefunden.
Die Bilder aus dem Privatbesitz der Familie Cromer zeigen die Dimension dieser Geschichte: internationale Geschäfte, außergewöhnliche Entwürfe und Begegnungen mit Persönlichkeiten aus Film, Musik, Mode und Sport. Sie erzählen aber vor allem von einem Mann, der seine Marke mit enormem Gestaltungswillen und Sinn für Inszenierung aufbaute.
Im Februar 2007 musste Michael ins Krankenhaus. Nach einer schweren Operation infizierte er sich mit einem Krankenhauskeim. Doch im Juli konnte er das fertige Buch noch selbst in Händen halten.
Mara erzählte Gerda und Volker später von diesem Augenblick: Michael hielt seine Lebensgeschichte in den Händen – und Tränen liefen ihm über die Wangen.
Am 4. September 2007 starb Michael Cromer.
Dass er das Buch, das ihm so wichtig gewesen war, noch erleben konnte, machte die jahrelange Freundschaft und die schwierige Arbeit daran für Gerda und Volker zu einer ganz besonderen Erinnerung.
Michael war überzeugt, dass ihm sein Lebenswerk auf eine Weise genommen worden war, die er als zutiefst ungerecht empfand. Nach seinem Tod gab Mara nicht auf. Bis zu ihrem eigenen Tod am 20. Mai 2025 versuchte sie mit juristischen Mitteln, die damaligen Vorgänge aufarbeiten und aus ihrer Sicht entstandenes Unrecht korrigieren zu lassen.
Doch Verfahren dieser Größenordnung erfordern enorme finanzielle Mittel. Trotz anwaltlicher Unterstützung und der Hilfe von Menschen an ihrer Seite waren diese Möglichkeiten begrenzt.
Was blieb, war nicht nur die Erinnerung an eine Weltmarke. Es blieb die Geschichte zweier Menschen – Michael und Mara – und ein Buch, das Michael noch selbst in Händen halten konnte.
Für Gerda Melchior und Volker Schütz ist Die Michael Cromer München Story deshalb weit mehr als ein Buch über den Aufstieg und den Verlust einer Luxusmarke. Es ist die Erinnerung an Michael und Mara Cromer – zwei Menschen, mit denen sie Freundschaft, Vertrauen und eine außergewöhnliche Geschichte verband.